28. April 2020

Vorschläge zur Pflege des Herzgartens

 

 

 

 

Im letzten Blogbeitrag habe ich von einem magischen Spaziergang erzählt und die Frage gestellt, wo und auf welche Weise Sie etwas Magie in Ihr Leben bringen könnten. Kurz danach schlage ich ein Buch auf und finde diese Passage darin, die ich mehrmals wieder mit Staunen lese:

„In jedem Herz gibt es einen kleinen Garten, der einer Handvoll Erde ähnlich ist. In dieser Erde befindet sich alles, was es braucht, damit ein Wunder wächst. Doch ist jedes Herz anders; jedes hat seine eigenen Bedürfnisse. Manche Gärten sind gut gepflegt. In anderen muss Unkraut gejätet werden. Manchmal liegt da Müll, der entfernt werden muss.
In einigen Herzen fällt ein Samen auf den Boden und wurzelt sofort und schießt in die Höhe. In anderen Herzen muss dieser Samen über einen langen Zeitraum wieder und wieder gesät werden, bevor er zu sprießen anfängt. Du kannst nicht immer sehen, wenn der Same zu sprießen beginnt und kurz davor steht, einen grünen Spross durch das Erdreich zu schießen. So sei also geduldig und verliere die Hoffnung nicht. Die Keimung ist lediglich unter der Oberfläche verborgen.“
Clark Strand & Perdita Finn: The Way of the Rose

Ein paar Tage später lerne ich, dass die Meditierenden einer alten Tradition sich stundenlang über ihr Herz beugten. Nicht nur, um mit der Energie ihres Herzen verbunden zu sein, sondern um wirklich in ihrem Herzen zu sein. Das Herz als magischer Raum, der von uns betreten werden kann! Was für eine wunderbare Vorstellung!

Ich glaube, unser Herz schenkt uns alles, was im Leben magisch, zauberhaft, wunderbar scheint. Die alten Weisheitslehren erzählen auf vielfache Weise, dass alles, was wir brauchen, alles, was wir suchen, in uns schon immer vorhanden ist. Der unverbrüchliche, heile Kern, immer da, auch inmitten einer seelischen oder geistigen Trümmerlandschaft. Ich kenne niemanden, der oder die sich nicht ab und an dort wieder findet, im bodenlosen Verlorensein.

Dennoch, auch wenn wir es vergessen zwischendurch: Im Herzen ist alles angelegt, die Samen sind schon längst ausgebracht. Nur sind wir oft so sehr mit anderen Dingen beschäftigt, dass unser Garten voller Wundersamen vernachlässigt brach liegt. Oder wir haben eine genaue Vorstellung, wie dieser Garten bepflanzt sein soll. Das allerdings funktioniert nicht: Wunder folgen keinem Plan.

Was Sie tun können: sich überlegen, wie Sie diesen Herzgarten pflegen und fördern. Welche Nährstoffe Sie ihm zuführen, welches Unkraut Sie jäten. Wenn Sie Unkraut jäten, seien Sie sanft. Ziehen Sie es vorsichtig aus dem Boden, lassen Sie es liegen, damit es sich zu Nährstoff verwandeln kann. Denken Sie daran, dass alles, was Sie an sich weniger schätzen, Ihnen den Weg zeigt, wohin Sie eigentlich gelangen wollen. Nur indem ich unterscheiden kann zwischen dem Hilfreichen und Heilsamen und dem weniger Hilfreichen, Unheilsamen, wird mir klar, was ich eigentlich möchte.

Vorschläge zur Pflege des Herzgartens:

  • Setzen Sie sich jeden Tag 3-5 Minuten hin (gerne auch länger). Spüren Sie Ihren Körper, spüren Sie Ihr Herz.
  • Überlegen Sie und schreiben Sie auf, welche Eigenschaften eines freundlichen Herzen Sie an sich schätzen. Z.B. Milde, Freundlichkeit, Sanftmut, Großzügigkeit. Spüren Sie, wie es sich anfühlt z.B. mild, freundlich, großzügig zu sein. Verbinden Sie sich immer wieder mit solchen Gefühlen.
  • Führen Sie Dankbarkeitslisten.
  • Sagen Sie oft und freudig: Ja.
  • Überlegen Sie und schreiben Sie auf, welche Eigenschaften eines unfreundlichen Herzens Sie nicht mehr in Ihrem Garten haben wollen. Überlegen Sie, wovor diese Eigenschaften Sie schützen möchten. Erkennen Sie diese Schutzeigenschaft an. Überlegen Sie, wie Sie sich stattdessen künftig verhalten möchten. Spüren Sie, wie sich das veränderte Verhalten anfühlt. Verbinden Sie sich immer wieder mit dem Gefühl des neuen Verhaltens, als hätten Sie es schon immer so gemacht.
  • Erinnern Sie sich immer wieder an Ihre Intention, Ihren Herzgarten pflegen zu wollen.
  • Und: behandeln Sie sich selber mit einem freundlichen Herzen.
    Herzliche Grüße
    Eva Scheller