28. Juli 2019

Ohne Bedauern. Leben.

Ich habe kürzliche eine meiner ältesten Freundinnen verloren. Bei unseren letzten Gesprächen haben wir übereinstimmend festgestellt, dass unsere Freundschaft vollendet ist. Nichts zu bereinigen, kein Bedauern über Ungelebtes. Am Ende gab es nichts mehr zu sagen. Einverständnis in das, was wir ausgeschöpft hatten in vollem Maße. Sie hat es mir leicht gemacht, sie zu verlieren. Und ich bin unendlich traurig. Und ja, natürlich werde ich sie vermissen. Immer wieder. Die Gespräche, die stumm bleiben. Ihr Miterleben während der nächsten 30 Jahre. In unseren Plänen stand, in Verbundenheit alte Frauen zu werden.
Die Art und Weise wie sie ging, nehme ich als Auftrag. Die Kostbarkeit des Augenblicks noch öfter zu würdigen. Bei Entscheidungen mich noch öfter zu fragen, welcher Alternative ich mit dem Herzen und allen meinen Sinnen zustimmen kann.

Wenn wir uns mit etwas beschäftigen, taucht das Thema häufig an unerwarteter Stelle auf. Das ist das, was wir Koinzidenz nennen. So finde heute ich in meinem Mailfach den Link zu einem Interview von Tami Simon mit Bronnie WareLiving without regrets.
Bronnie Ware (https://bronnieware.com) hat 2012 die englische Originalausgabe ihres Buches 5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen veröffentlicht, in dem sie ihre Erfahrungen als Palliativpflegerin verarbeitet. Das Buch ist 2015 in deutscher Übersetzung im Goldmann Verlag erschienen. Es lädt nicht nur ein zum Innehalten, sondern ist auch ein Lehrstück über das unbedingte Vertrauen eines Menschen in die Weisheit des Lebens. Das hat mich bei der Lektüre des Buches besonders beeindruckt, wie Bronnie Ware zwischen zwei Jobs im Auto übernachtete und auf die nächste Fügung wartete. Unerschütterlich im Grunde, bei allen sich meldenden Bedenken.

In ihren Gesprächen mit Sterbenen hat Bronnie Ware am öftesten diese 5 Sätze in der einen oder anderen Form gehört:

  • Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, das Leben zu leben, das mir entsprochen hätte, statt das Lebens zu leben, das andere von mir erwarteten.
  • Ich wünschte, ich hätte nicht so viel gearbeitet.
  • Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, meine Gefühle auszudrücken.
  • Ich wünschte, ich wäre mit meinen Freunden in Kontakt geblieben.
  • Ich wünschte, ich hätte mich selbst glücklicher gemacht.

Was halten Sie davon, immer wieder aufs Neue innezuhalten und darüber nachzudenken, ob es jetzt etwas gibt, das Sie ändern sollten, um später nicht ungelebtes Leben, vertane Chancen zu bedauern? Fragen Sie sich selbst, sprechen Sie darüber mit Ihren Nächsten:

  • Lebe ich das Leben, das mir entspricht?
  • Arbeite ich zu viel?
  • Verleihe ich meinen Gefühlen den Ausdruck, den sie verdienen?
  • Bin ich in gutem Kontakt mit Familie, Freunden, Gleichgesinnten?
  • Mache ich mich selbst glücklich?

    Machen Sie sich Notizen. Ziehen Sie sie immer wieder mal zu Rate. Beobachten Sie, was sich verändert.

    Der Podcast Living without Regrets aus der Reihe Insights at the Edges findet sich in Englisch auf der Online Plattform soundstrue.com, die Tami Simon ins Leben gerufen hat. Auch Tami Simon gehört zu meinen Heldinnen. Dazu ein anderes Mal mehr.

Herzliche Grüße
Eva Scheller