17. Oktober 2019

Eine Wolke. Täglich.

Reisen bildet. Vor kurzem war ich 3 Wochen unterwegs. Meist schien die Sonne. Und weil ich im schönsten Sonnenschein in der größten europäischen Stadt unterwegs war,  beschloss ich, einen Nachmittag in Kew Gardens zu verbringen – das ist ein wunderbarer Park, vor 270 Jahren gegründet von Prinzessin Augusta, der Mutter König Georges III (https://www.kew.org/kew-gardens). In spätsommerlicher Pracht wiegten sich tausende von Blüten in kräftigen Gelb-, Rot und Blautönen, flatterten, hüpften und badeten Schwäne, Gänse, Tauben, spielten Kinder, und Menschen jeglichen Alters und jeglicher Nationalität tranken Tee vor der Orangerie.
Ich hörte deutsche, französische, niederländische, polnische, russische und natürlich englische Stimmen. Und die Sonne lag warm auf meiner Haut, während auch ich Tee trank vor der Orangerie. Am Ende durchstöberte ich die Schätze im Kew Shop und entdeckte ein Buch: A Cloud a Day – 365 Skies from the Cloud Appreciation Society (stories-hamburg.de)

Ein wunderbares Buch! 365 Himmelsansichten! Eine Gesellschaft, die sich der Würdigung von Wolken verschrieben hat! Kann es etwas „Englischeres“ geben? Der Herausgeber, Gavin Pretor-Pinney, schreibt im Vorwort: „Es ist leicht zu vergessen, dass Sie im Himmel leben – nicht unter ihm, sondern mittendrin. Unsere Atmosphäre besteht aus den Gasen der Luft statt aus Wasser, aber sie ist genau so ein Meer wie der Atlantische oder Pazifische Ozean. Sie mögen von sich glauben, am Boden zu leben, doch das bedeutet nur, dass Sie ein Wesen des Meeresbettes sind. Sie bewohnen die Atmosphäre wie eine Kreatur des Wassers das Wasser bewohnt.“

Ich möchte Sie einladen, mit dieser, wie es mir scheint, tatsächlich ungewöhnlichen Form der Wahrnehmung zu experimentieren. Wie oft sehnen wir uns nach den Paradies und vermuten dieses im oder jenseits des Himmels. Was, wenn wir bereits im Himmel und also im Paradies lebten? Wenn alles, was wir mit dem Paradies verbinden, nicht „jenseits“ liegt, sondern diesseits? Hier, heute, jetzt? Und wenn Wolken uns daran erinnern? Dass wir schon mittendrin sind? „Nach oben zu schauen ist gut für die Seele. Der Himmel ist der dynamischte und sinnträchtigste Aspekt der Natur….. Finden Sie Schönheit in dem täglichen Spektakel da oben.“ (meint der Verlag auf dem Einband des Buches).

Nehmen Sie sich das vielleicht für 1 oder 2 Wochen als Übung vor. Schauen Sie nach oben. Betrachten Sie den Himmel, in dem Sie leben. Egal, ob die Sonne scheint oder Regen fällt. Nehmen Sie 2, 3 tiefe Atemzüge und sehen Sie, was es da zu sehen gibt. Und bemerken Sie, wie schnell es sich verändert. Und – nehmen Sie diesen Raum um sich herum wahr, das Paradies, in dem Sie wohnen.

Herzliche Grüße

Eva Scheller